Daily Drawing (and Writing)

Im Mai, wenn die Natur explodiert, entwickelt sich auch manches zarte Pflänzchen der Kreativität 

Eine neue Challenge? Her damit!

Als hätte ich zu wenig zu tun! Aber die Versender der Newsletter wissen schon, womit sie mich kriegen. Levi’s: 20 Prozent Rabatt. Ich bestelle, trotz dieser britischen Studie, in der herausgefunden wurde, dass mit 53 Jahren definitiv das Jeans-Alter überschritten sei. Camper: Neue experimentelle Schuhkollektion mit noch lauter schreienden Farben und noch ungewöhnlicheren Materialkombinationen. Gewagt, gewagt, aber ich als „bunter Vogel“ kann das bestimmt tragen (leider wieder eine Retoure mehr). The Big Draw: „Draw every day in May“ mit Marigold Palmer-Jones. Here I am!

Vom 1. bis zum 31. Mai fertigte ich jeden Tag eine Zeichnung an, die ich in eine geschlossene Facebook-Gruppe und auf Instagram postete. Auf diesen Plattformen wurde auch mit den Co-Drawern diskutiert. Außerdem gab es drei Mal pro Woche Live Sessions mit der Veranstalterin. 

Das tägliche Zeichnen war nichts Neues für mich. Ich bin es gewohnt, da ich seit Januar 2020, als ich meinen neuen „Jahresweiser“  begann, zu meinen täglichen Notizen auch eine kleine Zeichnung hinzufüge. Der Jahresweiser ist ein besonderes Tagebuch, denn er erstreckt sich über einen Zeitraum von 10 Jahren. Auf jeder Seite befinden sich 10 Tage mit demselben Datum (Tag und Monat), aber unterschiedlichen Jahren. Wenn ich mit einem Jahr fertig bin, muss ich von vorne anfangen. So sehe ich jeden Morgen, was am selben Tag in den Jahren zuvor passiert ist. Für meine Zeichnung suche ich unter den bedeutsamen Ereignissen des Vortages natürlich dasjenige aus, das mir halbwegs zeichenbar erscheint. Manchmal ist das eine Person, die ich getroffen habe, jemand, der gestorben ist, oder ein Baby, das geboren wurde. Manchmal nur unser letztes Abendessen. Ich zeichne neue Dinge, die wir gekauft haben, das neue Haus, in das wir umgezogen sind, Ereignisse, Feiertage, Pflanzen, Tiere, Emotionen und so weiter.

Normalerweise sind diese Zeichnungen und Texte nur für meine eigenen Augen bestimmt. Gelegentlich zeige ich meiner Frau oder meinen Kindern etwas davon. Die Herausforderung der Daily Drawing Challenge mit Marigold war für mich nicht unbedingt das Zeichnen selbst, sondern die Tatsache, dass ich meine Zeichnungen teilen sollte. Da ich meinen Leserinnen und Lesern (so denn ein Mann dabei war …), mit wenigen Ausnahmen aus dem britischen Sprachraum, auch die Story behind erzählen wollte, musste ich englische Texte schreiben. Und das wollte ich ohne größere Hilfe eines Übersetzungstools bewerkstelligen. Den Google-Übersetzer habe ich dann benutzt, um meine englischen Texte ins Deutsche rückzuübersetzen und so zu vermeiden, dass ich totalen Blödsinn schreibe.

Die eigentliche Challenge: Posten

In den ersten Tagen habe ich noch munter drauflosgezeichnet und -gepostet. Dann erschienen mir meine Zeichnungen plötzlich ein bisschen zu ungelenk, weshalb ich hin und wieder Vorzeichnungen anfertigte. Meine Zeichenzeit erhöhte sich von 10 Minuten am Anfang auf 20 Minuten. Ich stellte fest, dass die Zeichnungen selbst zwar auch und sogar oft geliked wurden (danke dafür!), aber die Stories um die gezeigten Dinge kamen noch besser an. Am Tag nach dem Ende der Challenge bastelte ich aus meinen Zeichnungen und Texten ein Booklet in der Größe 40 x 55 mm, das du hier als PDF herunterladen kannst:

Download Booklet „Mai 2022 auf 2 cm“ (1,8 MB)

Das tägliche Zeichnen ist eine Gewohnheit, die ich sehr empfehlen kann. Zeichnen bringt einen in eine gute Stimmung, man war bereits am frühen Morgen mit einem überschaubaren Aufwand produktiv und wenn man das wie ich als Aufhänger für ein Tagebuch nimmt, kann man sich noch jahrelang an den oft lustigen Scribbles erfreuen.