Lebendige Lettern

Lebendige Lettern

„Die 1 konnten wir für den symbolischen Betrag von 1 Euro von der Telekom erwerben. Sie war der Vorgänger des bekannten „Colonius”-Fernmeldeturms an der Inneren Kanalstraße und wurde seit einiger Zeit wegen ihrer zu geringen Größe nicht mehr genutzt.“

Ich finde die Kampagnen, die die Berliner Werbeagentur Heimat für ihren Kunden Hornbach kreiert, immer wieder überraschend. Derzeit geht es um das mysteriöse Verschwinden der Display-Buchstaben, die normalerweise über den Eingängen der Baumärkte den Firmennamen ergeben. Es wird in den TV-Spots und in der kompletten Story im Internet behauptet, dass eine Gruppe junger, hipper Niederländer es als eine Art Sport betreiben würde, diese Buchstaben in nächtlichen Aktionen abzumontieren und zweckzuentfremenden, um zum Beispiel mit dem Skateboard auf dem „C“ zu grinden. Oder es wird für ein Musikvideo der Buchstabe „O“ zu einem Jacuzzi umgebaut.

Mit dieser ungewöhnlichen Kampagne wird uns eine ziemlich haarsträubende Story aufgetischt, das Thema „Do it yourself“ wird fast nebensächlich behandelt, aber spielt genauso wie Kreativität eine wichtige Rolle. Und dann eben der Firmenname beziehungsweise seine Einzelteile. Die Buchstaben werden sozusagen zum Leben erweckt. Normalerweise lesen wir Wörter nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern erkennen Formen, die aus mehreren Buchstaben gebildet werden. So kommt es, dass wir auch ein Wort wie Fsblwltmstr identifizieren können oder sogar einen kompletten Text, bei dem die Buchstaben total verdreht wurden (bis auf die Anfangs- und Endbuchstaben):

Ein efaneaichr Txet

Im Itenrent krrsieut aschnneined ein Txet, bei dem die Babustechn zischwen den Agnanfs- und Endbchutsbean der Wtöerr kpmletot und wlhoals drcheinanudergefürwlet wdruen, um zu vreschniluaechn, wie wir Wrteör vulseil efeasrsn. Ich vsuerche mal, acuh so ennien Txet zu vefaessrn, diamt das Pznirip kalr wrid. Anscheinend lassen sich die Wörter dann trotzdem identifizieren. So ganz einfach scheint es nicht zu sein. Hier das Original, das auf verblüffende Weise und sehr gut funktioniert.

Ich weiß nicht, ob die zuständigen Arter und Texter der Agentur Heimat schon mal mein legendäres „Telefonnummernmailing“ gesehen haben. Ich meine, die Grundidee meines im Jahr 2003 veröffentlichten Heftchens ist die gleiche. Ich hatte damals von der Telekom nach dem Umzug in mein schickes neues Loftbüro endlich die neue Telefonnummer erhalten. Damals war es üblich, dass eine Firma eine Nummer bekam, die leicht zu merken war. Denn damals war es üblich, dass man sich Telefonnummern versuchte einzuprägen (mit dem eigenen Gedächtnis!). Ich erhielt jedoch eine Nummer mit lauter unterschiedlichen Ziffern. Ich wollte berühmt und erfolgreich werden, jeder sollte mich anrufen und daher meine Nummer kennen, also erweckte ich die Telefonnummer für ein Kundenmailing zum Leben.

Als dann dank dieses Heftchens endlich alle Menschen die Festnetznummer meines Büros kannten, ging man mehr und mehr dazu über, mit dem Mobiltelefon zu kommunizieren. Und niemals gab man mehr eine Telefonnummer Ziffer für Ziffer ein. 

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